Es begann an einem viel zu frühen Samstag um 7 Uhr in Schkeuditz. Der Himmel gab einen Dauerregen von sich, ja es schiffte aus Eimern. Bei strömenden Regen machten sich die Scuttles auf ihren bisher weitesten Weg und den ersten ins Ausland. Das Ziel hieß Cantu bei Mailand (Italien). Je weiter sich der Tourtross unter blöden Gelaber und mit einem völlig verkaterten Techniker nach Süden kämpfte desto besser wurde das Wetter. Über die Fahrt verlieren wir jetzt mal weniger Worte, denn wie aus Wattestäbchen Radiergummi wurden und warum es beinahe mit Polen zu einem Streit kam, soll den Leser des Blogs nicht verstören.
Am Bodensee angelangt schien dann schon die Sonne und bei der dortigen Rast, überraschenderweise wieder im Gasthaus zum güldenen „M“ (Mc Donalds) wurden gleich noch die Fahrzeuge mit Mautplaketten bestückt, die ebenso wie die Benzinkosten durch die Stadt Schkeuditz übernommen wurden.
Wir passierten Österreich, flankierten Liechtenstein und durchfuhren die Schweiz, wobei uns das Schwiezerdütsch im Radio amüsierte. Durch den San-Bernardino-Tunnel gelangten wir ins sonnig-heiße Italien, wo sich beide Fahrzeuge an der Grenze verloren, weil der Transporter an der Zollstation kontrolliert werden musste. Der Verdacht wir hätten Koks an Bord konnte nicht belegt werden.
Angekommen in Cantu fanden wir uns an unserer Unterkunft, einer Grundschule ein, wo alle auch alle anderen Bands und die Teilnehmer des Schüleraustausches Youto 2011 (inklusive der Schkeuditzer Jugend) untergebracht waren. Unsere pomfortionöse Schlafstatt schlugen wir unter dem Dach auf, wo wir wundervoll durchgelegene Betten aufbauen und diese mit ausgelegenen Matratzen (Probebohrungen wiesen ein Fertigungsdatum um 1850 nach) bestücken durften.
Wir bemühten uns der Jugend im Camp ein Vorbild zu sein. …wer hat diesen Satz geschrieben? Nein, wir versuchten es noch nicht mal. Mit Abstand betrachtet kann man nur hoffen, dass es unser Aufenthalt bei Keule und Co. keine Schäden hinterlassen hat.
Anschließend ging’s zum Abendessen an einem Sportplatz, wo wir Viviana kennenlernten. Endlich jemand, der uns übersetzen konnte. Im Laufe der Tage müssen wir es uns bei Ihr jedoch etwas versaut haben. Warum wohl? Auch hier traf unser Manager eine alte Schulfreundin wieder, die am letzten Tag versuchte sozialpädagogische Heilkünste bei den Scuttles wirken zu lassen, was ihr selbstverständlich misslang. Nach dem Abendessen ging’s auf den Marktplatz in Cantu, wo bereits das Europe-Rockfestival (Tag 1) lief. Wir genossen die Partyatmosphäre sowie die aufgebrezelten Italienerinnen, die gewisse Schlagzeuger den Boden unter den Füßen verlieren ließ. Wie jeder folgende Abend endete auch dieser unter dem Einfluss von Unmengen Bier mit negativem Verhalten, aber therapeutische Maßnahmen sind hier eh vergebens, wie wir wissen.
Der zweite Tag sah eine Fahrt nach Mailand vor, welches wir mit Zug und U-Bahn erreichten. Im Zug amüsierte uns die Tatsache, dass der Basser von einem Italiener bequatscht wurde und sich einfach nicht lösen konnte. Es ist allenthalben nur ein Gerücht dass man sich zum Abschied küsste und Nummern tauschte.

Wir verließen die U-Bahn und vor uns baute sich atemberaubenderweise der Mailänder Dom auf, den wir auch gleich besichtigten. Anschließend folgte eine kleine Stadt- und Italienerinnenbesichtigung um gegen Nachmittag wieder nach Cantu zu fahren, da dort der Soundcheck fürs abendliche Konzert stattfand.
Der zweite Festivaltag startete nach einem typisch-italienischen Abendessen mit Pizza. Die erste Band, Sept-ember aus Bühl eröffnete mit Coldplay-ähnlichen Sounds, danach gab es ein Heimspiel einer 2-Personen-Band und anschließend spielte die Band Williamsburg aus Barcelona, die in der Unterkunft „Cockfights“ veranstalteten und gegen uns selbigen einzogen. Der Leser wird an dieser Stelle mal wieder mit seinen Fragezeichen in den Augen allein gelassen! Auch wenn ich jetzt hier einfach mal „Saffetty-Board“ schreibe. Alles Insidergags, aber weiter geht der Blog…
Leider war es schon nach halb 12 an einem Sonntag als wir die Bühne betraten. Der Marktplatz war weitgehend geleert und dennoch, so schwören wir uns ein, wollten wir es krachen lassen. Offensichtlich gelang uns das auch besser als gedacht, denn die übriggebliebenen 50-70 Leute auf dem Platz feierten uns bereits nach dem ersten Song euphorisch. Aus einer am Marktplatz angrenzten Bar stürmten die Leute grölend vor die Bühne und der dortige Kneiper, Massi mit Namen, war so sehr begeistert, dass er uns plötzlich mit Bier versorgte. Wir hatten trotz der nicht idealen Umstände maximalen Spaß auf der Bühne und die Zuschauer gaben uns diejenige Resonanz, die absolute Euphorie vermuten lässt.
Nach dem Konzert kamen die Leute auf uns zu und an jeder Ecke kommunizierten wir trotz Sprachbarrieren mit den Zuschauern. Unser neuer Freund Massi stattete uns voller Begeisterung mit einer Frei-Getränke-Flatrate aus, die bis zu unserer Abreise Gültigkeit behielt und natürlich genutzt wurde. Noch um 3 Uhr nachts sprachen wir mit den Leuten, verteilten CDs und knüpften Kontakte, denn offensichtlich kamen wir so gut an, dass ähnliches nächstes Jahr wiederholt werden soll.
An Schlaf war erstmal nicht zu denken und so unterhielten wir uns noch lange vor der Grundschule bevor wir schlafen gingen.
Am folgenden Tag mussten leider schon 3 Bandmitglieder den Heimweg antreten. Die verbliebenen 4 fuhren nach Como an den Comer See, wo sie sich ein Tretboot ausliehen und den Lago di Como mittels zügellosen Nacktbadens unsicher machten. Maximale Entspannung und eine großartige Landschaft weckte eine gewisse Euphorie, die sich in Bierverzehr und Bierduschen manifestierte.

Nach einer kleinen Stadtbesichtigung aßen wir in einem typisch-italienischen Ristorante und nahmen die Parade der vorbeilaufenden Italienerinnen ab.
Nach der Rückfahrt zur Unterkunft, in der wir allein waren und diversen Mist anstellten, machten wir uns nochmals auf den Weg in Massi’s Bar, wo bei einigen Bierchen noch etwas gefeiert und unterhalten wurde.
Die Rückfahrt am Folgetag führte uns diesmal nicht durch den San-Bernardino-Tunnel sondern über den gleichnamigen Pass, der an seinem Gipfelpunkt 2.066 Meter Höhe misst. Hier wurde die Theorie eines nicht namentlich benannten Bandmitglieds widerlegt, wonach Napoleon mit Elefanten über die Alpen zog. Bei kühlen 14°C genossen wir die traumhafte Alpenatmosphäre und zerstörten diese zugleich mit lautem Gepöbel.
An dieser Stelle wird nochmals der Leser verwirrt: Saffetty-Board!
Trotz unerträglicher Flatulenzen eines Bandmitgliedes kamen wir gegen um 8 Uhr abends geistig und körperlich völlig erschöpft, wieder im Probenraum in Schkeuditz an. Unsere Freude über den Trip der vergangenen Tage manifestierte sich allerdings darin, dass wir nicht gleich nach Hause fuhren sondern direkt noch im Probenraum unsere Fotos anschauten.
Eine gelungene Tour, die sich hoffentlich wiederholen lässt. Unser Dank gilt der Stadt Schkeuditz, die unsere Unkosten begleicht, der Spedition Kohlhardt, die den Transporter stellte, dem völlig-durchgeknallten Massi, der uns Unmengen Freibier spendete, den Organisatoren des Youto-Camps 2011, wo wir untergebracht waren und Marco di Marco, dem Organisator des Europe Rockfestivals.
Wohlweißlich der Tatsache, dass dieser Tourbericht große Lücken aufweist, die teilweise beabsichtigt sind, bleibt festzuhalten, dass wir von dieser Reise noch ewig erzählen werden. Dabei wird auch verstörenderweise immer wieder das Wort Saffetty-Board auftauchen.
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